Im Gespräch: Franz Niedermeier

„Am Ende muss ein Ergebnis herauskommen, mit dem ein Mensch gehen kann“

Interview mit Franz Niedermeier, Leiter des Funktionsbereich Fuß- und Sprunggelenkchirurgie:

Herr Niedermeier, Sie arbeiten seit September in der Orthopädie. Warum sind Sie ans TUM Klinikum Rechts der Isar gewechselt?

Meine Schwestern wurden hier geboren, und meine Eltern sind hier in Behandlung. Deshalb habe ich diesem Haus gegenüber ein gutes Gefühl. Beruflich bietet mir die Klinik die Chance, eine Sektion zu leiten, und chirurgisch ist die Arbeit eine Herausforderung: Was wir am Universitätsklinikum im Bereich Fuß- und Sprunggelenk operieren, ist in der Schwierigkeit der Eingriffe sehr anspruchsvoll. Wir behandeln Fälle, die an andere Kliniken nicht leicht unterkommen.

Welche beruflichen Stationen haben Sie hinter sich?
Mein chirurgisches Rüstzeug habe ich in der Unfallchirurgie in Harlaching bekommen – eine harte Schule mit vielen 24-Stunden-Schichten. Die Facharztausbildung habe ich in einer großen Münchner Orthopädiepraxis absolviert. Damals dachte ich, ich werde Kniechirurg und baue Kreuzbänder in Sportler ein. Dann weckte ein Kollege mein Interesse an der Fußchirurgie und vermittelte mich an die Schön Klinik in die dortige Fußchirurgie. Dort war ich fünf Jahre. Danach wurde ich Oberarzt in der Fußchirurgie der Artemed Klinik.

Worin liegt für Sie der Reiz der Fußchirurgie?
Fußspezialisten wird gern ein Fetisch unterstellt. Dabei ist das Fach chirurgisch höchst anspruchsvoll: Alle Techniken, die man als Chirurg lernt, kommen dort zum Einsatz – Arthroskopie, Sehnen- und Knochenchirurgie, bis hin zur Nervenchirurgie, teils mit Gefäßbeteiligung. Und am Ende muss ein Ergebnis herauskommen, mit dem ein Mensch gehen kann.

Wo steht die Fußchirurgie gegenwärtig?
Traditionell war die Fußchirurgie meist stiefmütterlich irgendwo angegliedert. Heute gibt es zwei stattliche Fachgesellschaften. Ich würde auch behaupten, dass hier innerhalb der Orthopädie noch am meisten Potenzial liegt. In der Prothetik tut sich viel: Wir operieren gelenkerhaltender und mit minimalinvasiven Verfahren auch schonender, was die Nachbehandlungszeit verkürzt. Ein Beispiel: Unser Butter-und-Broteingriff ist die Korrektur des Hallux valgus. Früher war das ein massiver Vorfußeingriff mit großen Schnitten. Heute bleiben dank minimal-invasiver Technik vier bis fünf kleine Stichinzisionen, wenn dies die geeignete Indikation ist. Das ist ein großer Fortschritt. Persönlich fühle ich mich bei Knorpelrekonstruktionen am oberen Sprunggelenk und in Verbindung mit Bandstabilitäten zu Hause.

Welche beruflichen Ziele verfolgen Sie?
Anfangs wollte ich einfach operieren. Je mehr ich mich mit Füßen beschäftige, desto mehr wissenschaftliche Fragen tauchen auf. Mit KI und bildgebenden Verfahren gibt es an der Klinik für Orthopädie und mit der AIO-Forschungsgruppe einzigartige Möglichkeiten. Hier arbeiten höchstmotivierte Kollegen, mit denen man wissenschaftliche Fragenstellungen großartig diskutieren und bearbeiten kann.

Es heißt: Füße seien so individuell wie ein Fingerabdruck …
Unbedingt. Darum braucht jede Behandlung eine individuelle Entscheidung. Zentral ist die Untersuchung. Man kann ein Röntgen und ein MRT machen – aber um herauszufinden, wo das Problem wirklich liegt, ist die händische Untersuchung unersetzlich.

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