Symposium zum Fast-Track-Konzept
Schneller zurück in den Alltag nach einem Knie- oder Hüftgelenkersatz
Intensive OP-Vorbereitung, schonenderes OP-Verfahren, Begleitung durch eine Fast-Track-Assistenz, zügige Mobilisierung: Auf diesen Bausteinen basiert das Fast-Track-Konzept unserer Klinik für Orthopädie am TUM Klinikum Rechts der Isar. Knapp zwei Jahre nach der Einführung zeigt sich: Das Konzept hat sich bewährt. Die durchschnittliche Mobilität bei der Entlassung ist gestiegen, die Dauer des Klinikaufenthalts ist gesunken – nebenbei hat sich damit die Patientenzufriedenheit erhöht. „Wir verstehen das Fast-Track-Konzept als einen umfassenden Behandlungspfad, der nicht aus isolierten Einzelmaßnahmen besteht, sondern aus einer Folge ineinandergreifender Maßnahmen“, so Klinikchef Univ.-Prof. Rüdiger von Eisenhart-Rothe bei unserem Symposium im Mai 2026 vor rund 100 Teilnehmern. „Deshalb ist es uns wichtig, mit diesem Symposium ein gemeinsames Verständnis bei allen beteiligten Disziplinen auch über unsere Klinik hinaus zu schaffen.“
Nachfolgend finden Sie eine Fotogalerie, unseren Nachbericht zur Veranstaltung sowie Stimmen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern.
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Schnittstellen im Blick: Wie Ärzte und Physiotherapeuten den Behandlungspfad verzahnen
Patientinnen und Patienten sollen nach der Entlassung ihren Rehabilitationsprozess möglichst nahtlos fortsetzen können. „Nachdem wir unser Frührehabilitationskonzept erfolgreich an der Klinik etabliert haben, möchten wir mit unserer Veranstaltung einen Übergang zur darauffolgenden ambulanten oder stationären Rehabilitation schaffen“, sagen Barbara Vogel, Leitung Zentrale Physiotherapie für evidenzbasierte PatientInnenversorgung, und Bernd Ellner, Leiter der Zentralen Physiotherapie, auf deren Initiative die Veranstaltung entstand. „Mit einem von uns entwickelten Mobilitätsparcours haben wir für unsere Patientinnen und Patienten Anreize geschaffen, sich zu bewegen und auch Freude an der Bewegung zu haben. In der Regel gelingt es ihnen auch, mehrere Stunden außerhalb des Betts zu verbringen.“
Die Symposiumsvorträge beleuchteten sämtliche Aspekte des Fast-Track-Konzepts, wie es an der Klinik für Orthopädie gelebt wird. Senior-Hauptoperateur Dr. Max Ertl, der das Projekt ärztlicherseits leitet, stellte die medizinischen Anpassungen vor. Anne Kristina Santamaa erläuterte in ihrer Funktion als Fast-Track-Assistenz die Rolle, die sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Birgit Ronne an der Schnittstelle zwischen Patienten und dem Behandlungsteam einnimmt. Physiotherapeutin Katja Guddorp ging auf die Veränderungen in der physiotherapeutischen perioperativen Behandlung und die Behandlungsmöglichkeiten ein und die Effekte, die mit der frühen Mobilisierung einhergehen. Dr. Barbara Vogel ordnete die Veränderungen des physiotherapeutischen Konzepts vor dem Hintergrund aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse ein. Dr. Christina Valle, Oberärztin Medical Park und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Klinik für Orthopädie, berichtete von dem beruflichen Spagat im Reha-Alltag, in dem unterschiedlich mobile Patienten nach sehr unterschiedlichen ärztlichen Anweisungen nachbehandelt werden sollen. Deutlich wurde dabei vor allem eines: Das Fast-Track-Konzept ist eine echte Teamleistung, bei dem alle an einem Strang ziehen müssen – auch der Patient.
Für die anschließende Diskussion bot das Symposium zahlreiche Anknüpfungspunkte. Die Teilnehmenden aus Reha-Kliniken und physiotherapeutischen Praxen aus dem bayerischen Umland nutzten die Fragerunde ausgiebig für einen lebendigen fachlichen Austausch. Beim Ausklang der Veranstaltung standen zudem alle Referentinnen und Referenten für persönliche und vertiefende fachliche Gespräche zur Verfügung.
Stimmen von Teilnehmenden zu unserem Symposium und dem Fast-Track-Konzept
Im Anschluss an die Veranstaltung hatten wir die Gelegenheit, einige Teilnehmende zu befragen, welche Impulse sie aus dem Symposium für ihre eigene Arbeit mitnehmen konnten.
Iris von Gernet, Osteopathin, Praxis am Schloss
„Die Grundzüge des Fast-Track-Konzepts waren mir bereits bekannt, dennoch fand ich die Veranstaltung sehr aufschlussreich. Ich informiere mich generell gern über neue Konzepte, um meinen Patientinnen und Patienten fundierte Empfehlungen und Tipps geben zu können. Besonders gut gefallen hat mir, dass die Patienten bereits vor der Operation durch eine umfassende Aufklärung aktiv eingebunden werden und die Eigenverantwortung dabei so deutlich im Mittelpunkt steht. Auch die vielen praktischen Hinweise für die Zeit vor der OP empfinde ich als sehr hilfreich. Überraschend war für mich die Aussage, dass passive Maßnahmen wie die CPM-Schiene oder die manuelle Lymphdrainage keinen nachweisbaren Effekt haben sollen, auch wenn ich als Osteopathin selbstverständlich weiß, wie entscheidend ein aktiver Therapieansatz und die Mitarbeit der Operierten für den Behandlungserfolg sind. Ergänzende Informationen für Reha-Einrichtungen und andere Therapeutinnen und Therapeuten – über den Arztbrief hinaus – würde ich ebenfalls als sehr hilfreich empfinden.“
Dominik Englisch, Teamleitung Therapie Ambulant Ingolstadt, seit fünf Jahren im Beruf
„Ich komme aus der Sportwissenschaft und leite die Therapie der ambulante Orthopädie an unserem Standort in Ingolstadt. Dadurch habe ich einen guten Einblick in das therapeutische Umfeld und arbeite selbst auch mit Patienten. Vom Fast-Track-Konzept hatte ich bereits gehört. Mir war allerdings nicht bewusst, wie umfassend das Konzept ist und welchen hohen Stellenwert etwa die präoperative Aufklärung darin einnimmt. Sehr überraschend war für mich die Information, dass es nach einer Fast Track-Hüft-TEP keine grundsätzlichen Bewegungseinschränkungen mehr gibt – das habe ich noch anders gelernt. Besonders hilfreich finde ich, dass, wie in einem Vortrag angekündigt, die Reha-Einrichtungen durch ein Informationsschreiben stärker eingebunden werden sollen. Wenn man weiß, was ein Patient direkt nach der Operation bereits leisten kann, lässt sich die Therapie deutlich gezielter gestalten. Insgesamt habe ich die Veranstaltung als sehr spannend und informativ erlebt und werde viele der Inhalte an meine Kolleginnen und Kollegen weitergeben. Darüber hinaus fand ich das gesamte Team ausgesprochen sympathisch.“
Sebastian Stemmler, Therapieleiter Medical Park Chiemsee und Medical Park Prien Kronprinz, seit 20 Jahren im Beruf
„Das Fast-Track-Konzept kenne ich. Es gibt schon seit längerem Kliniken, die ähnliche Ansätze verfolgen – allerdings meist nicht in dieser strukturierten Form und nicht als interdisziplinäres Gesamtkonzept wie hier am TUM Klinikum Rechts der Isar. Das ist wirklich die Ausnahme und macht dieses Projekt aus meiner Sicht besonders. Für die stationäre Rehabilitation bietet Fast Track große Vorteile. Unser Grundsatz lautet schließlich: ‚Better in, better out‘. Das gilt vor der OP und auch danach. Je mobiler ein Patient bereits zu Beginn ist, desto effektiver lässt sich die stationäre Rehabilitation gestalten. Gleichzeitig reduziert sich auch der pflegerische Aufwand, da die Patienten deutlich selbstständiger sind. Auffällig ist aber schon, dass viele Patienten, die sich besonders gut entwickeln, häufig auch Fast-Track-Patienten sind.“
Eva-Maria Pfeifer, Physiotherapeutin, Lehrkraft an den Döpfer-Schulen, München
„Vom Fast-Track-Konzept hatte ich bereits gehört, wusste jedoch nicht, wie es konkret umgesetzt wird. Als Physiotherapeutin habe ich schon immer sehr funktionsorientiert gearbeitet und dabei vorbereitend auch assistive Techniken eingesetzt – allerdings stets mit dem Ziel, die Selbstständigkeit der Patienten zu fördern. Dass dieser Aspekt bei Fast Track so im Vordergrund steht ist überzeugend. Neu war für mich vor allem die Einbindung der einzelnen Maßnahmen in ein übergeordnetes Gesamtkonzept. Trotz aller Vorzüge des Fast-Track-Konzepts fand ich es gut zu erfahren, dass nicht jeder Patient automatisch in dieses Konzept aufgenommen wird, sondern sorgfältig geprüft wird, ob es für ihn geeignet ist. Unsere Schüler lernen das Konzept bereits im Rahmen ihrer Ausbildung kennen. Für Kollegen, die schon länger im Beruf stehen, wäre das geplante Informationsschreiben für Reha-Einrichtungen sicherlich wichtig. Denn wenn gewünscht ist, dass Patienten anders nachbehandelt werden sollen, muss dafür die entsprechende Grundlage, nämlich Information, geschaffen werden.“